Elspe 2019: "Winnetou III"

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Shatterhand24
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Re: Elspe 2019: "Winnetou III"

#61 Beitrag von Shatterhand24 » 8. Jun 2019, 21:16

Elspe spielt 2020 der Ölprinz

Winnetoukarlmay2016
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Re: Elspe 2019: "Winnetou III"

#62 Beitrag von Winnetoukarlmay2016 » 12. Jun 2019, 16:00

Aktuelle Fotos aus dem Stück sind jetzt bei Flickr zu finden.

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Re: Elspe 2019: "Winnetou III"

#63 Beitrag von Winnetoukarlmay2016 » 13. Jun 2019, 10:33

Bei Lokalzeit Südwestfalen im WDR Fernsehen kommt heute Abend um 19.30 Uhr ein Bericht aus Elspe.

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Re: Elspe 2019: "Winnetou III"

#64 Beitrag von Winnetoukarlmay2016 » 17. Jul 2019, 00:18

Ich war gestern in Elspe und fand das Stück wieder super unterhaltsam. Die Darsteller haben mir alle sehr gut gefallen. Besonders Sebastian Kolb als Plummer und das Blutsbrüderpaar haben wieder sehr überzeugend gespielt. Etwas schade fand ich nur, dass die Bergmanns und Am Hawkens erst in der zweiten Hälfte dabei waren. Man hätte sie auch schon in ein bis zwei Szenen schon vor der Pause zeigen können, aber im, es ist halt so. Anders als bei der Inszenierung von 1997 war, dass Unterhaeuptling Red Mangas nicht bis zum Schluss überlebt hat, sondern wieder im Lager der Apachen erschossen wurde. Desweiteren würden die Zelte der Apachen nicht angezündet, sondern mit Dynamit in die Luft gesprengt. Allerdings war diesmal ein wenig Schade, dass dieses Jahr kein Geier vorkam wie in den letzten beiden Jahren. Neu auf diesem Jahr ist auf dem Gelände eine Anlage für Minipferde. Diese wurde dort errichtet, wo die Greifvogelshow war. Ein kleines Rätsel ist aber auch, warum Autor Bludau die Kirche an den Eagle Rock verlegt hat, anstatt Winnetou wie im Roman am Hancock Berg sterben zu lassen. Ich will jetzt nicht zu vielen verraten, aber am Ende des Stücks lebt Winnetou weiter - in unseren Herzen. Natürlich stirbt er, aber keiner geht ohne eine kleine Überraschung traurig nach Hause. Ein bisschen Schade war auch, dass die Eisenbahn nicht dabei war - ein kleiner Überfall wär schön drin gewesen. Als Susan war übrigens bei der heutigen Vorstellung Luisa Poddighe zu sehen. Auf jeden Fall lohnt sich auch dieses Jahr eine Fahrt wieder nach Elspe trotz ein paar negativer Kritikpunkte, ansonsten war die Handlung gut aufgestellt. Ob ich nächstes Jahr in Elspe bin, weiss ich noch nicht, aber ich denke, wenn es gut läuft, werde ich auch nächstes Jahr beim '' Ölprinz'' dabei sein.

Elsper_Insider
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Re: Elspe 2019: "Winnetou III"

#65 Beitrag von Elsper_Insider » 24. Jul 2019, 09:25

Hi,

hat einer eigentlich schon beide Susan's gesehen?

Gibt es da große Unterschiede?

Al-No
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Re: Elspe 2019: "Winnetou III"

#66 Beitrag von Al-No » 28. Jan 2020, 10:13

Nach dem die Saison nun schon ein paar Tage vorbei ist, erinnere ich mich noch einmal zurück.



„Winnetou III“ fing gut an.

Ich war darauf vorbereitet, dass das Stück nicht viel mit dem Roman zu tun haben würde. Letztlich waren es nur Spuren daraus. Mir hat allerdings, der sagen wir, Drive gefallen: Die Geschichte fing ruhiger an, mit Szenen im Dorf der Weißen, erzählerischer. Neu war für mich auch das Grasflachdachhaus. Das sah gut aus und bot quasi eine zusätzliche Plattform samt Vertiefung der Bühne nach hinten. Die dahinter stehende Häuserkulisse wurde mit genutzt – das hatte ich auch noch nicht gehabt. Das kann man gerne öfters machen.

Beim Ablaufen der Handlung musste ich nach einiger Zeit aber etwas schmunzeln: Es kamen absolut typische Elspe-Szenen. Die indianischen Dorfbewohner traten aus den Zelten, stellten sich ordentlich auf (wie Orgelpfeifen, hieß es anderswo), eine hob den Arm und verkündete „Winnetou!“ und der Mescalerohäuptling ritt ein.

Ich frage mich, wie Jochen Bludau das Stück 1979/80 geschrieben hat: Er schien mir einen neuen Handlungsstrang um die Bewohner von San Manuel im Sinn gehabt zu haben. Hatte er dann aus Zeitgründen mit vertrauten Szenen aufgefüllt oder bewusst eine Hommage gebracht, als Abschluss eines Zyklus?

Ungewöhnlich war, dass die Komiker erst im zweiten Akt auftraten – schlimm fand ich das nicht, eher mal ein leicht anderer Spin. Aber: Was war das? Maria und Leo Bergmann sind absolute Widergänger von Rosalie und Emil (oder Julius) Ebersbach aus „Der Ölprinz“. Irgendwo hatte ich mal die Vermutung gelesen, dass Bludau sich hier noch das frühzeitliche „Winnetou“ von Dimmler/Körner/Schmid zur Vorlage genommen hatte: Hier tauchten diese beiden Figuren (manchmal unter anderen Namen) am Ende im Akt um Winnetous Tod auf. Was erleben wir in der nächsten Saison? Richtig, „Der Ölprinz“ mit den Originalen. Das finde ich kein glückliches Arrangement.

Seitens der Darsteller fiel wiederum Sebastian Kolb als Oberschurke auf. Er spielt gut und ist wie geschaffen für große Freilichtbühnen. Mein ganz persönlicher Geschmack war für Doc Plummer ein etwas älterer Typ, zumindest etwas gravitätischer auftretend. Kolb war manchmal etwas energisch und an ein, zwei Stellen wie im Vorjahr ein bißchen over-acted wirkend.

Etwas aus dem Rahmen fallend war die vertrauenerweckende Doppelfunktion als Arzt und Gesetzeshüter und angenehmer weise wurde sein krimineller Charakter nicht gleich enthüllt. Von mir aus hätte man das sogar noch etwas weiter treiben können, in dem er unerkannt aus dem Wald heraus zu den Hounds gesprochen hätte.

Als interessant empfand ich die Figur der Jane Miller: Eine junge Frau, die Selbstbewusstsein aht und später entschlossen ihre Tochter suchen geht. Man hätte sie allerdings nicht unbedingt alleine gehen lassen müssen und irgendwie kam sie dann doch recht schnell zu Fuß hin und her. Man hätte diese Figur ruhig noch ein bißchen ausbauen können (zumal Cheryl Baulig Profi-Schauspielerin ist), indem man sie nach anfänglichen Selbstbewusstsein nicht in der nächsten Konfrontationsszene schweigend herumstehen ließ. Die Auspeitsch-Szene hätte man auch etwas länger und dramatischer bringen dürfen.

Den Verzicht auf eine heftige Explosion auf dem Berg als Finale empfand ich gar nicht als Manko: Die Szene sollte sich ja auf Winnetous Tod konzentrieren. Vorher gab es ja Schlägereien und Schusswechsel, wenn auch nicht inflationär, und ein beeindruckend aussehendes Abfackeln der Zelte.

Große Schwierigkeiten hatte ich eher mit der Textbuch und Inszenierung: Neben den Bergmanns und hier und da ein paar nicht genutzten Chancen sowie leblosen Massenszenen stachen mir die Szenen der Todesvorahnung und des Todes ins Auge. Es war toll, dass man Winnetous Vorahnung nicht wegen Traurigkeitsgefahr wegrationalisiert hatte und Jean-Marc Birkholz spielte stark. Leider wirkte Old Shatterhand überfordert (ok, menschlich nachvollziehbar) und kam dann mit „Reiten wir“. War dem Autor einfach nichts Besseres eingefallen und Kai Noll hing in der Luft oder war das künstlerische Absicht? Mit Blick auf Nolls Mimik kam ich zu dem Schluss, dass er Old Shatterhand traurig und ohne passende Wort findend spielte. Aber das konnte man auf so einer großen Bühne nur interpretieren, wenn man nahe genug dran saß und ihm ins Gesicht schaute. Hier hätte man mit seine Antwort verbal transportieren müssen.

Eine schöne Variante des Glockengeläutes und des Siedlergesanges aus dem Roman fand ich das wiederholte Mundharmonikaspiel von Susan Miller. Old Shatterhand hörte hin, erkannte das Stück – aber woher behielt er dann für sich. Im Roman hatte er das „Ave Maria“ der aus Deutschland stammenden Siedler selbst geschrieben. Hier gab es nun eine nicht kitschige Variante und auf das Singen von 1980 wurde verzichtet.

Im Finale spitzte es sich ja auf der Flucht auf den Kirchberg zu. Die Hounds griffen auf der mittleren Eben an, Old Shatterhand schoß zurück – und dann wartete ich auf die nächste Angriffswelle der Banditen. Nach einigen Sekunden Verzögerung begriff ich, dass er sie wohl im Off erledigt hatte. Das musste ich mir dazu denken. Das war leider wieder schwach inszeniert. Ein etwas längeres Feuergefecht und ein dramatisch getroffen hinter ein Gebüsch fallender oder halb vom Pferd hängender Plummer hätte noch drin sein können.

Dann der eigentliche Höhepunkt: Winnteous Tod. Die Siedler aus San Manuel standen betroffen da, das war in Ordnung; so viele Leute auf dem Berg war eine ein bißchen beeindruckende Szenerie und eine Szene mit Alleinstellungsmerkmal in Elspe. Birkholz spielte Winnetous Sterben im Gegensatz zu Benjamin Armbruster 2012 mit brechender Stimme und wirkte so überzeugender.
Seine Leichnam wurde naheliegender weise herausgetragen. Leider kam von Seiten Old Shatterhand sehr wenig Emotion rüber. Beeindruckend war im nächsten Moment, wie unbemerkt und schnell Birkholz von der der Bühne ins Off und auf sein Pferd gekommen war.

Bludau war, wie Karl May & Co noch herausgestellt hatte, derjenige, der als Erster nach Dimmlers und Körners „Winnetou“ die Sterbeszene für die Bühne bearbeiten musste. Die Lösung, zu Old Shatterhands Worten, dass man ihn nie vergessen werde, Winnetou noch einmal als Vision vom Berg und davon reiten zu lassen, finde ich gut und legitim.
Leider wurde das 2019 zu schnell abgespult: Kaum erschossen, ritt er schon wieder auf, so als ob man jegliche Gefahr von Traurigkeit schnell im Keim ersticken wollte.

Schlussendlich muss ich sagen: Schön, dass Bludau sich in Elspe noch einmal die Winnetou-Trilogie getraut hat und schön, dass die Zuschauerzahlen sogar sehr gut ausfielen. Seine Nachfolger – oder noch er selbst? - werden in den 2020ern nicht mehr aus Sorge den zweiten und dritten Teil nicht anrühren wollen. Leider hat sich jedoch meine Befürchtung bewahrheitet, dass man mt dem zweiten und dritten Teil nur alte und sehr mäßige Stücke wieder aufgewärmt hat. Der „Bildschirm“ 2018 war die einzige Innovation – leider auch der letzten Jahre. Nach „Der Geist des Llano estacado“ 2014 gab es in Elspe nur noch Wiederaufführungen alter Stücke mit ggf. beeindruckenden technischen Einlagen aus der vorhergehenden Wiederaufführung. Es wird Business as usual gemacht, leider nicht sehr gut, wie ich mit Blick auf Szenenumsetzungen meine. Bludau & Armbruster, beide immerhin Profis, lassen es leider schleifen.

Nächster steht dann wieder „Der Ölprinz“ auf dem Programm, garantiert wieder mit dem altbekannten Schauplatzmorphing am Schluss.

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