Ardistan und Dschinnistan

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Der Ölprinz
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Ardistan und Dschinnistan

#1 Beitrag von Der Ölprinz » 3. Mai 2019, 21:17

Hallo,

ich werde mich demnächst einmal an die beiden Bände A+D machen.

Wie fandet ihr diese Bücher?
Ist in den Bänden noch eine teilweise abenteuerliche Handlung vorhanden?
Allgemein schwere Kost?

Ich war eigentlich bisher vom Alterswerk abgeschreckt, da mir der Silberlöwe (Band 3) überhaupt nicht gefallen hat. Das ist allerdings schon Jahre her und kann sich somit auch geändert haben...

Ich würde mich freuen wenn jemand antwortet.

Viele Grüße aus dem Erzgebirge

allwanderer
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Re: Ardistan und Dschinnistan

#2 Beitrag von allwanderer » 16. Mai 2019, 13:38

Ich mag das Alterswerk Karl Maya. "Ardistan" ist davon mein Lieblingsbuch. Die Handlung ist durchaus abenteuerlich und an einigen Stellen auch humorvoll.

Der Ölprinz
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Re: Ardistan und Dschinnistan

#3 Beitrag von Der Ölprinz » 30. Jun 2019, 22:23

Hallo Allwanderer,

entschuldige bitte die extrem späte Antwort.

Ich denke spätestens im Herbst ist Ardistan dann endlich auch bei mir an der Reihe...

Gruß

Der Ölprinz

Stefan T.
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Re: Ardistan und Dschinnistan

#4 Beitrag von Stefan T. » 2. Jul 2019, 19:20

Der Ölprinz hat geschrieben:(...)Ich war eigentlich bisher vom Alterswerk abgeschreckt, da mir der Silberlöwe (Band 3) überhaupt nicht gefallen hat.(...)
Genau so hab' ich das auch empfunden.
Der 3. Silberlöwe bleibt in meiner Erinnerung ein unsäglich langweiliges, pseudo-esoterisches Gelaber...
Hat mir Mays Alterswerk bis heute verlitten :-(

Der Ölprinz
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Re: Ardistan und Dschinnistan

#5 Beitrag von Der Ölprinz » 4. Jul 2019, 21:25

[/quote]
Genau so hab' ich das auch empfunden.
Der 3. Silberlöwe bleibt in meiner Erinnerung ein unsäglich langweiliges, pseudo-esoterisches Gelaber...
Hat mir Mays Alterswerk bis heute verlitten :-([/quote]

Hallo, deshalb sollten wir es nochmal versuchen.
Ardistan eignet sich vielleicht dazu...;)

Gruß

Der Ölprinz

giesbert
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Re: Ardistan und Dschinnistan

#6 Beitrag von giesbert » 5. Jul 2019, 16:48

Silberlöwe III krankt imho ein wenig daran, dass May selbst nicht gewusst zu haben scheint, wohin ihn der neue Stil führen wird, sondern wie gewohnt, einfach drauflos schreibt. Er probiert etwas (für ihn) ziemlich radikal Neues aus und muss sich da selbst erstmal reinfinden. Was ich allerdings durchaus als reizvoll empfinde, wenn man als Leser dem Autor bei seinen Experimenten praktisch über die Schulter schauen kann. Die Radikalität des Anfangs von Bd III fand ich immer verblüffend, wie er da zu Beginn (In Basra) einfach alle vertrauten Zutaten über Bord wirft, typisches Personal (Lindsay) kurzerhand aus dem Text entfernt, um Kara Ben Nemsi und Halef wortwörtlich bei Null anfangen lässt. Schon I/II sind da erstaunlich, wie dem Ich-Erzähler bzw. dem Text immer deutlicher wird, dass es so, wie bisher, einfach nicht weitergeht.

Zu A&D: das ist ein sehr, sehr eigenartiger Text. Wirklich eigen und einzig in seiner Art. Sollte man kennen. Es ist allerdings kein äh „normaler“ May, und die Abenteuerhandlung letztlich nur Firniss bzw. Mittel zum Zweck, um die Handlung irgendwie in Gang zu bringen. Es gibt großartige Szenen und visionäre Bilder, auch sehr irritierende, etwa wenn der sagenwirmal Erfolg / die nochmals äh „Wahrheit“ von Weihnachten ganz kühl kapitalistisch am erfolgreichen Verkauf von Weihnachtsklimbim fest gemacht wird

Pitt Holbers
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Re: Ardistan und Dschinnistan

#7 Beitrag von Pitt Holbers » 8. Apr 2020, 10:44

Stefan T. hat geschrieben:
2. Jul 2019, 19:20
Der Ölprinz hat geschrieben:(...)Ich war eigentlich bisher vom Alterswerk abgeschreckt, da mir der Silberlöwe (Band 3) überhaupt nicht gefallen hat.(...)
Genau so hab' ich das auch empfunden.
Der 3. Silberlöwe bleibt in meiner Erinnerung ein unsäglich langweiliges, pseudo-esoterisches Gelaber...
Hat mir Mays Alterswerk bis heute verlitten :-(
Es gibt schon mehrere Stellen, die mir in dem Band gut gefallen haben. Zunächst das Kapitel in Basra, die Szenen mit Sir David und dem Kahwedschi. Sehr schön auch Karls Mays deutliche Stellungnahme gegen Rassismus im Dialog mit dem englischen General. Die Stelle ist mich der absolute Beleg dafür, dass May kein Rassist war, auch wenn es ein paar Stellen im Gesamtwerk gibt, wo das in Frage gestellt werden könnte. Sir David spielt in dieser Episode eine klägliche Rolle. Im Grunde seines Herzens ist er ein guter Kerl, doch kann er sich nicht gegen seinen Vetter durchsetzen. Zu sehr gebunden an Nation, gesellschaftliche Stellung und familiäre Bindung versagt der gute Teil in ihm gegen das herrische Auftreten des Generals. Sein Aufbegehren wird vom Vetter sofort im Keim erstickt. Psychologisch sehr interessante Szene, die zum Nachdenken anregt. Ebenso tiefgründig war im Folgekapitel das Gespräch über den Tod und Mays Meinung über diesen. Aber ist das esoterisch? Entspricht das nicht eher der christlichen Überzeugung des Autors, die sich in vielen seiner Bände findet?

Zur äußeren Rahmenhandlung sei noch gesagt, dass die Episode mit dem Raub von den Pferden und Waffen unserer Helden eigentlich gut geschildert ist. Sehr einfallsreich auch, dass beide mit Opium betäubt worden sind. Die Handlung hätte mehr verdient gehabt in den Vordergrund zu rücken, aber das war nicht Mays Absicht, was ich schade finde. Wäre die Spannung nicht vernachlässigt worden, hätten die letzten beiden Silberlöwenbände meiner Meinung nach erfolgreicher werden können.

KarlMayFreund
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Re: Ardistan und Dschinnistan

#8 Beitrag von KarlMayFreund » 8. Mai 2020, 15:00

Pitt Holbers hat geschrieben:
8. Apr 2020, 10:44
Stefan T. hat geschrieben:
2. Jul 2019, 19:20
Der Ölprinz hat geschrieben:(...)Ich war eigentlich bisher vom Alterswerk abgeschreckt, da mir der Silberlöwe (Band 3) überhaupt nicht gefallen hat.(...)
Genau so hab' ich das auch empfunden.
Der 3. Silberlöwe bleibt in meiner Erinnerung ein unsäglich langweiliges, pseudo-esoterisches Gelaber...
Hat mir Mays Alterswerk bis heute verlitten :-(
Es gibt schon mehrere Stellen, die mir in dem Band gut gefallen haben. Zunächst das Kapitel in Basra, die Szenen mit Sir David und dem Kahwedschi. Sehr schön auch Karls Mays deutliche Stellungnahme gegen Rassismus im Dialog mit dem englischen General. Die Stelle ist mich der absolute Beleg dafür, dass May kein Rassist war, auch wenn es ein paar Stellen im Gesamtwerk gibt, wo das in Frage gestellt werden könnte. Sir David spielt in dieser Episode eine klägliche Rolle. Im Grunde seines Herzens ist er ein guter Kerl, doch kann er sich nicht gegen seinen Vetter durchsetzen. Zu sehr gebunden an Nation, gesellschaftliche Stellung und familiäre Bindung versagt der gute Teil in ihm gegen das herrische Auftreten des Generals. Sein Aufbegehren wird vom Vetter sofort im Keim erstickt. Psychologisch sehr interessante Szene, die zum Nachdenken anregt. Ebenso tiefgründig war im Folgekapitel das Gespräch über den Tod und Mays Meinung über diesen. Aber ist das esoterisch? Entspricht das nicht eher der christlichen Überzeugung des Autors, die sich in vielen seiner Bände findet?

Zur äußeren Rahmenhandlung sei noch gesagt, dass die Episode mit dem Raub von den Pferden und Waffen unserer Helden eigentlich gut geschildert ist. Sehr einfallsreich auch, dass beide mit Opium betäubt worden sind. Die Handlung hätte mehr verdient gehabt in den Vordergrund zu rücken, aber das war nicht Mays Absicht, was ich schade finde. Wäre die Spannung nicht vernachlässigt worden, hätten die letzten beiden Silberlöwenbände meiner Meinung nach erfolgreicher werden können.

Dem kann ich nur in allen Punkten zustimmen.
Was die Esoterik des Spätwerks angeht: Um 1900, und vor allem in den gesellschaftlichen Kreisen, in denen K. May sich bewegte, war Esoterik bzw. Spiritismus weit verbreitet und auch ein dazugekommener Teil des Christentums, obwohl sich die Bibel deutlich dagegen ausspricht.
Heute ist das unverständlich, auch für Christen, da Esoterik im heutigen Christentum zum Glück keine existenzielle Rolle mehr spielt. Darauf, dass Karl May in Glaubensfragen (gesellschaftsfähigen Spiritismus und haarsträubende Äußerungen im Frühwerk mal ausgenommen) seinen ganz eigenen, damals sehr umstrittenen Weg gegangen ist und teilweise als eine Art Ketzer bezeichnet wurde, weil er sich nicht für eine Konvention entscheiden wollte, sondern sich mit einem eigenen Glaubensbekenntnis als "Ökumen" "outete", möchte ich hier gar nicht eingehen.
Karl May's Glaube ist es auf jeden Fall wert, dass man sich mit ihm, wenn auch aus bloßen Interesse an seiner Person, auseinandersetzt.

Rassismus: Karl May war ein Kind seiner Zeit. Das ist keine Entschuldigung für manche Aussage, sondern der Grund für manche Aussage. Karl May war (im Gegensatz zu Donald Trump) einer der bekanntesten nicht rassistischen Personen des damaligen Deutschlands. Ein zusätzlicher Punkt, der einen wundern könnte, wenn man weiß, dass Karl May Hitlers Lieblingslektüre war.

Aus dem Winterschlaf erwacht ;-)
KarlMayFreund

Der Ölprinz
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Re: Ardistan und Dschinnistan

#9 Beitrag von Der Ölprinz » 10. Mai 2020, 16:09

Hallo,
gibt es eigentlich irgendwelche stichhaltigen Beweise das Karl May Hitlers Lieblingslektüre war?
Nur weil er alle damals erschienen Ausgaben besaß, war das natürlich noch lange nicht seine Lieblingslektüre. Gibt es dazu irgendwelche Quellen?
Gruß
Der Ölprinz

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Re: Ardistan und Dschinnistan

#10 Beitrag von giesbert » 10. Mai 2020, 18:28

Der Ölprinz hat geschrieben:
10. Mai 2020, 16:09
gibt es eigentlich irgendwelche stichhaltigen Beweise das Karl May Hitlers Lieblingslektüre war?
Kurz gesagt: Nein. Er hat ihn wohl intensiv gelesen, aber ob er nun seine Lieblingslektüre war?

Es gibt ein Büchlein von Werner Graf ("Adolf Hitler begegnet Karl May. Zur Lektürebiografie des 'Führers'") von 2012, aber das bringt mangels belastbarer Fakten auch nur überwiegend Vermutungen. Ich hab das Büchlein seiner Zeit für KM&C rezensiert, hier ein Auszug:
Graf trägt akribisch alle Zeugnisse zusammen, die uns bei der Beantwortung der Frage, was Hitler las und wie er es tat, helfen können, und muss doch immer wieder zu Vermutungen und Spekulationen greifen. Er mutmaßt, wie Hitler Mays Wiener Rede erlebt haben könnte (falls er sie denn überhaupt erlebt hat, was so sicher ja nicht ist), zieht immer wieder Parallelen zwischen den augenfälligen Ähnlichkeiten der erzählerischen Topoi bei May und denen in Hitlers Reden und Auftreten (die Assoziation „Karl May“ lag schon den Zeitgenossen nah) und hält es für „nicht unwahrscheinlich“, dass sich Hitler sich auch gegen Ende „geschützt in Bett und Bunker, im Verborgenen seine Karl-May-Bände vornahm.“
Ansonsten sei auf den entsprechenden Eintrag im Karl-May-Wiki verwiesen.

KarlMayFreund
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Re: Ardistan und Dschinnistan

#11 Beitrag von KarlMayFreund » 10. Mai 2020, 21:48

Der Ölprinz hat geschrieben:
10. Mai 2020, 16:09
Hallo,
gibt es eigentlich irgendwelche stichhaltigen Beweise das Karl May Hitlers Lieblingslektüre war?
Nur weil er alle damals erschienen Ausgaben besaß, war das natürlich noch lange nicht seine Lieblingslektüre. Gibt es dazu irgendwelche Quellen?
Gruß
Der Ölprinz
Zugegeben; das mit der Lieblingslektüre war ein bisschen schnell und unbedacht geschrieben… Auf jeden Fall hat er ihn sehr gern gelesen. Irgendwo stand einmal auch, dass er Offizieren vorgeworfen hatte, dass sie zu wenig May lesen würden oder so ähnlich.

Der Ölprinz
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Re: Ardistan und Dschinnistan

#12 Beitrag von Der Ölprinz » 10. Mai 2020, 22:47

Hallo Giesbert,
danke für die Erklärung dazu!

@KarlMayFreund: Nix für ungut. Ich dachte mir wäre da etwas entgangen, deshalb die Nachfrage...

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