Der Derwischtanz (Gedicht)

mugwort
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Der Derwischtanz (Gedicht)

Beitragvon mugwort » 14 Jan 2018 17:49

Derwischtanz

Enterbte der Erde verzichten so gern
für fromme Versprechen und himmlische Lügen.
Sie gehn in den Tod als Erwählte des Herrn
und lassen sich selbst noch im Grabe betrügen.

Laßt hoch die Fahne des Propheten wehn
versammelt euch zum heil'gen Derwischtanze.
Zu Narren soll man nur in Maske gehn
die wahre Klugheit lebt vom Mummenschanze

(Karl May)

Dieses Gedicht habe ich gerade - zufällig - im Sonderheft Nr. 76/1988 der Karl-May-Gesellschaft gefunden (Walter Schönthal: Karl May als Lyriker. Plädoyer gegen eine Verdrängung).

Hat sich hier jemand schon damit befaßt? Die erste Strophe meine ich verstanden zu haben, aber die Zweite? Dass Karl May auf Derwische nicht gut zu sprechen war (ganz zu Unrecht, meine ich), ist mir irgendwie noch klar. Aber wer soll sich warum versammeln???

Vielleicht mag ja jemand meinen verknoteten Gedanken einen Stupser in die richtige Richtung geben...

Viele Grüße
Irmgard

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Re: Der Derwischtanz (Gedicht)

Beitragvon KarlMayFreund » 14 Jan 2018 18:03

Karl May hatte ja immermal etwas geschrieben bzw gesagt was später (nach seinem Tod) tatsächlich passiert ist.
Siehe IS/Terroranschläge
bzw Mahdi.

mugwort
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Re: Der Derwischtanz (Gedicht)

Beitragvon mugwort » 15 Jan 2018 07:30

Ja, soweit Strophe 1 - wobei Menschen hier ein uraltes Muster bedienen. Nicht nur der IS - das Thema "Heldentod" ist älter als der IS, der Islam, das Christentum und so weiter.

Ich würde das Gedicht nicht allein auf den militanten Islam, sondern weiter verstehen wollen. "Prophet" muss nicht zwingend (nur) Mohammed sein, auch den "Derwischtanz" würde ich symbolisch sehen - der Derwischtanz allein bzw. der Sufismus im allgemeinen ist eher spirituell, wenig militant-politisch. Aber was mache ich interpretatorisch mit den letzten beiden Zeilen?

KarlMayFreund
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Re: Der Derwischtanz (Gedicht)

Beitragvon KarlMayFreund » 15 Jan 2018 14:55

mugwort hat geschrieben:Zu Narren soll man nur in Maske gehn
die wahre Klugheit lebt vom Mummenschanze.


Vielleicht jemand der sich als jemand anderes ausgibt und z.b. verkleidet ist und alle anderen glauben ihm seine äußerliche Erscheinung und für was er sich ausgibt (so wie der Dichter selbst).

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