Der Scout

silbersee
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Der Scout

Beitragvon silbersee » 30 Dez 2016 20:21

Gibt es irgendwo lieferbar eine Ausgabe der Urfassung des "Scout"? Ich weiß, dass in der HKA im Band "Im fernen Westen" der Urtext enthalten ist, suche aber eine Einzelausgabe zu erschwinglichem Preis.
Nicht nur, weil es eine meiner liebsten May-Erzählungen ist, sondern, weil ich das gern in einem Seminar nutzen möchte...

Gruß
Erik

Hermesmeier

Re: Der Scout

Beitragvon Hermesmeier » 30 Dez 2016 22:38

Einzelausgaben des Scout gibt es ausschließlich im Bereich Print on Demand. Um die Titel zu finden, einfach mal beim großen A nach Karl May Scout suchen. Über die Zuverlässigkeit der Fassungen kann ich nichts sagen. In der Regel - so mein nicht gänzlich unbegründetes Vorurteil - handelt es sich um schlecht redigierte und layoutete Privatherstellungen auf Basis eines kostenlosen Webangebots - z. B. auf dem Server der KMG -, das ebenfalls nicht hundertprozentig lektoriert war. Print on Demand wäre also ein Versuch auf eigene Gefahr, wenn auch ein preiswerter.
Ansonsten findet man den Scout seit Anbeginn aller Zeiten nur in Sammelbänden, diese zudem teils bearbeitet. Empfehlen würde ich daher den KMG-Reprint der Hausschatz-Fassung, auch wenn man Deadly dust und Ave Maria mit dazu nehmen muss.

silbersee
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Re: Der Scout

Beitragvon silbersee » 31 Dez 2016 12:12

Danke für die schnelle und bündige Antwort - ich werde mir jetzt HKA und Hausschatz-Reprint zulegen, vergleichen, welche "Zugaben" (kritischer Apparat vs. Vergleichslesung sowie weitere Texte) ich geeigneter finde und daraufhin entscheiden. Wird dann preislich so oder so nur ne Kopiervorlage für die Studenten werden können.

mugwort
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Re: Der Scout

Beitragvon mugwort » 01 Jan 2017 20:34

silbersee hat geschrieben:Danke für die schnelle und bündige Antwort - ich werde mir jetzt HKA und Hausschatz-Reprint zulegen, vergleichen, welche "Zugaben" (kritischer Apparat vs. Vergleichslesung sowie weitere Texte) ich geeigneter finde und daraufhin entscheiden. Wird dann preislich so oder so nur ne Kopiervorlage für die Studenten werden können.


Ein Scan des Hausschatz-Reprints ist auch auf der Webseite der Karl-May-Gesellschaft.

silbersee
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Re: Der Scout

Beitragvon silbersee » 04 Jan 2017 18:00

Danke für den Hinweis. hab auch schon reingeschaut. Trotzdem die Buchform bestellt - ich lese lieber im Sessel als auf dem Bildschirm ;-) Ich bin sehr neugierig, ob die Studenten noch ohne Weiteres Fraktur lesen können...

Hermesmeier

Re: Der Scout

Beitragvon Hermesmeier » 04 Jan 2017 18:09

Ich bin sicher, sie werden sagen, dass sie es nicht können. Ein großer Teil wird das auch glauben. Die anderen wollen nicht, weil 'so schwer'. Im Prinzip kann das aber jeder. Am besten bei der Ehre packen: "Sie wollen mir doch nicht sagen, dass Sie weniger intelligent sind als Ihre Großeltern!"
In der Germanistik würde ich frechweg erwarten, dass die Studenten das können.

secura
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Re: Der Scout

Beitragvon secura » 03 Jun 2018 05:31

Bei Karl May wirkt die Schmutz-und-Schund-Vorwürfe durch seine Zeitgenossen und aus der Diskussion der 50er Jahre immer noch nach. Karl May wird als populärer Autor im Kontext von Populärliteratur vs. Hochliteratur diskutiert.

Ist folgende Beschreibung von "Old Death" nicht ein Beleg dafür, daß Karl May nicht nur ein populärer Literat ist?

„Old Death! Ah, dieser Mann war Old Death! Ich hatte von diesem bekannten, ja berühmten Westmanne oft gehört. Sein Ruf war an allen Lagerfeuern jenseits des Missisippi erklungen und auch bis in die
Städte des Ostens gedrungen. Wenn nur der zehnte, der zwanzigste Theil dessen, was man von ihm
erzählte, auf Wahrheit beruhte, so war er ein Jäger und Pfadfinder, vor welchem man den Hut ziehen
mußte. Er hatte sich ein ganzes Menschenalter lang im Westen umhergetrieben und war trotz der
Gefahren, denen er sich ausgesetzt hatte, niemals verwundet worden. Darum wurde er von Denen, welche
abergläubisch waren, für kugelfest gehalten.

Wie er eigentlich heiße, das wußte man nicht. Old Death war sein nom de guerre; er hatte denselben
wegen seiner außerordentlich dürren Gestalt erhalten. Der »alte Tod«! Als ich ihn so vor mir sitzen
sah, leuchtete es mir ein, wie man darauf gekommen sei, ihn so zu nennen.

Er, Old Death nämlich, war sehr, sehr lang, und seine weit nach vorn gebeugte Gestalt schien
wirklich nur aus Haut und Knochen zu bestehen. Die ledernen Hosen schwappten ihm nur so um die
Beine. Das ebenfalls lederne Jagdhemde war mit der Zeit so zusammen- und eingeschrumpft, daß ihm die
Aermel nicht viel über den halben Vorderarm reichten. An diesem Letzteren konnte man die beiden
Knochen, Elle und Speiche, so deutlich wie bei einem Gerippe unterscheiden. Auch die Hände waren
ganz diejenigen eines Skelettes.

Aus dem Jagdhemde ragte ein langer, langer Todtenhals hervor, in dessen Haut der Kehlkopf wie in
einem Ledersäckchen herniederhing. Und nun erst der Kopf! Er schien nicht fünf Loth Fleisch zu
enthalten. Die Augen lagen tief in ihren Höhlen, und auf dem Schädel gab es nicht ein einziges Haar.
Die schrecklich eingefallenen Wangen, die scharfen Kinnladen, die weit hervortretenden
Backenknochen, die zurückgefallene Stumpfnase mit den weiten, ausgerichteten Löchern – wahrhaftig,
es war ein Todtenkopf, über den man sich entsetzen konnte, wenn man ihn unerwartet zu Gesicht bekam.
Der Anblick dieses Kopfes wirkte wahrhaftig auch auf meine Nase: ich glaubte, die Dünste der
Verwesung, den Odeur von Schwefelwasserstoff und Ammoniak zu riechen. Es konnte Einem dabei der
Appetit zum Essen und Trinken vollständig abhanden kommen.

Seine langen, dürren Füße steckten in stiefelartigen Futteralen, welche je aus einem einzigen Stücke
Pferdeleders geschnitten waren. Ueber dieselben hatte er wahrhaft riesige Sporen geschnallt, deren
Räder aus mexikanischen silbernen Pesostücken geschnitten waren.

Neben ihm an der Erde lag ein Sattel mit vollständigem Zaumzeuge, und dabei lehnte eine jener
ellenlangen Kentuckybüchsen, welche jetzt nur noch äußerst selten zu sehen sind, weil sie den
Hinterladern weichen mußten. Seine sonstige Bewaffnung bestand aus einem Bowiemesser und zwei großen Revolvern, deren Griffe aus seinem Gürtel ragten. Dieser Letztere bestand aus einem Lederschlauchevon der Form einer sogenannten »Geldkatze«, welcher rundum mit handtellergroßen Scalphäuten besetztwar. Da diese Scalpe nicht auf den Köpfen von Bleichgesichtern gesessen hatten, so war zu vermuthen,daß sie von ihrem jetzigen Besitzer den von ihm besiegten Indianern abgenommen worden waren.“

Hans-Peter Oswald
http://www.domainregistry.de

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