Elspe 2016: "Im Tal des Todes"

Helmut
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Re: Elspe 2016: "Im Tal des Todes"

Beitragvon Helmut » 08 Aug 2016 12:21

Das war die Sprache von Sir David Lindsay; Lord Eaglenest dagegen:

»Wie? Ein Deutscher sind Sie?« fragte der Lord im reinsten Hochdeutsch. »So lassen Sie uns deutsch sprechen. Ich habe in Deutschland Verwandte, zwar sehr entfernt, doch führen sie meinen Namen, nicht Eagle-nest natürlich, sondern Adlerhorst. Ich habe jüngst nach ihnen gesucht, aber leider alle Spuren verweht gefunden.«
[Karl Mays Werke: Deutsche Herzen, deutsche Helden, S. 20. Digitale Bibliothek Band 77: Karl Mays Werke, S. 24350 (vgl. KMW-II.20, S. 19-20)]

oder
»Warum sollte ich scherzen? Es ist mein Ernst. Ich bin Mitglied des Travellerclub in London, in welchem nur der aufgenommen wird, der mindestens eine Reise von fünftausend englischen Meilen gemacht hat. Ich war weit, sehr weit und habe viele Reiseerinnerungen mitgebracht. Jetzt nun will ich eine Türkin mitbringen. Die Oper ist gut; sie hat mir gefallen. Was den Schauspielern möglich ist, das bringe ich auch fertig. Ich entführe Eine, aber schön muß sie sein!«
[Karl Mays Werke: Deutsche Herzen, deutsche Helden, S. 22. Digitale Bibliothek Band 77: Karl Mays Werke, S. 24352 (vgl. KMW-II.20, S. 20-21)]


Also für mich sind das verschiedene Personen, die da jeweils sprechen.

Aber da diese unsere Differenzen ja für die div. Theaterstücke sowas von gleichgültig sind, schlage ich vor, dass wir den "Streit" darüber nicht zum gefühlten 137. Mal austragen. Wir kennen unsere unterschiedlichen Ansichten, und damit soll's auch genug sein.


Helmut

mugwort
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Re: Elspe 2016: "Im Tal des Todes"

Beitragvon mugwort » 08 Aug 2016 14:55

Hermesmeier hat geschrieben:Lieber Helmut,

verfilmt wurde "Im Tal des Todes" nicht, nicht einmal dem Titel nach "... im Tal der Toten" hieß das Ding und war eher ein Remake vom "Schatz im Silbersee" - meines Erachtens übrigens besser als jener.

Gruß
Wolfgang



... und der letzte Hauch von "Im Tal des Todes" in Gestalt von Almy Wilkins alias Paloma Nakana wurde in den Film "Old Shatterhand" (ohne Tote und Täler) verpflanzt....

mugwort
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Re: Elspe 2016: "Im Tal des Todes"

Beitragvon mugwort » 08 Aug 2016 15:25

Helmut hat geschrieben:Das war die Sprache von Sir David Lindsay; Lord Eaglenest dagegen:

»Wie? Ein Deutscher sind Sie?« fragte der Lord im reinsten Hochdeutsch. »So lassen Sie uns deutsch sprechen. Ich habe in Deutschland Verwandte, zwar sehr entfernt, doch führen sie meinen Namen, nicht Eagle-nest natürlich, sondern Adlerhorst. Ich habe jüngst nach ihnen gesucht, aber leider alle Spuren verweht gefunden.«
[Karl Mays Werke: Deutsche Herzen, deutsche Helden, S. 20. Digitale Bibliothek Band 77: Karl Mays Werke, S. 24350 (vgl. KMW-II.20, S. 19-20)]

oder
»Warum sollte ich scherzen? Es ist mein Ernst. Ich bin Mitglied des Travellerclub in London, in welchem nur der aufgenommen wird, der mindestens eine Reise von fünftausend englischen Meilen gemacht hat. Ich war weit, sehr weit und habe viele Reiseerinnerungen mitgebracht. Jetzt nun will ich eine Türkin mitbringen. Die Oper ist gut; sie hat mir gefallen. Was den Schauspielern möglich ist, das bringe ich auch fertig. Ich entführe Eine, aber schön muß sie sein!«
[Karl Mays Werke: Deutsche Herzen, deutsche Helden, S. 22. Digitale Bibliothek Band 77: Karl Mays Werke, S. 24352 (vgl. KMW-II.20, S. 20-21)]


Also für mich sind das verschiedene Personen, die da jeweils sprechen.

Aber da diese unsere Differenzen ja für die div. Theaterstücke sowas von gleichgültig sind, schlage ich vor, dass wir den "Streit" darüber nicht zum gefühlten 137. Mal austragen. Wir kennen unsere unterschiedlichen Ansichten, und damit soll's auch genug sein.


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... jetzt merke ich es erst: EAGLENEST/ ADLERHORST! How lovely! Der LIND-SAY darf aber jetzt nicht mehr so zackig sprechen, bitteschön...

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Re: Elspe 2016: "Im Tal des Todes"

Beitragvon Helmut » 08 Aug 2016 15:50

Der "Adler" aus dem Tal des Todes ist ebenfalls einer aus der Familie Adlerhorst, und in Sibirien gibt's da noch einen der als Name die russische Überstzung von Adlerhorst trägt.
Solche "Spielereien" gibt es öfters in der Mayschen Kolportage, da gibt es in der "Liebe des Ulanen" eine franz./deutsche Familie Richemonte/Reichenberg .

Helmut

PS.: und im Waldröschen gibt es einen "Lord Lindsay" (m.W. nicht verwandt oder verschwägert)

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Re: Elspe 2016: "Im Tal des Todes"

Beitragvon Rüdiger » 08 Aug 2016 17:23

Helmut hat geschrieben:Das war die Sprache von Sir David Lindsay

Also für mich sind das verschiedene Personen, die da jeweils sprechen.



Hm ... bezieht sich das nun auf die zitierte Bearbeitung oder auf das zitierte Original ?

Noch einmal ganz langsam: im 'Schut'-Original spricht Lindsay (wie zitiert) teilweise sozusagen ganz normal ...

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Re: Elspe 2016: "Im Tal des Todes"

Beitragvon Helmut » 08 Aug 2016 18:07

Habe ich verwechselt.
Entschuldigung, du wirst da wohl recht haben.

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Re: Elspe 2016: "Im Tal des Todes"

Beitragvon silbersee » 08 Aug 2016 20:20

Helmut hat geschrieben:
PS.: und im Waldröschen gibt es einen "Lord Lindsay" (m.W. nicht verwandt oder verschwägert)


Der heißt dann interessanterweise im KMV Sir Henry Dryden - um es unnötig zu verkomplizieren, vermutlich ;-) Eine Yacht hat er trotzdem. Und einen von Geierschnabel gespielten jüngeren Bruder David (als Finte gegenüber Pablo Cortejo)...

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Re: Elspe 2016: "Im Tal des Todes"

Beitragvon Rüdiger » 09 Aug 2016 08:48

Rüdiger hat geschrieben:Ab und zu ist es ihm mit Kara Ben Nemsi nicht abwechslungsreich genug, und er geht auf eigene Faust los bzw. eigene Wege ... Wenn ich mich recht entsinne in Band 1 und 3

Sozusagen der guten Ordnung halber habe ich in den Bänden 1-3 noch einmal nachgesehen in Sachen Lindsay, es verhält sich doch etwas anders. Mehrmals ist es so, daß Lindsay zwar aktiv werden will, den Erzähler zu abenteuerlichen Aktivitäten begleiten will, Kara Ben Nemsi das aber ablehnt und ihn somit zur Untätigkeit verurteilt. Einmal reist er ihm auf eigene Faust nach.

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Re: Elspe 2016: "Im Tal des Todes"

Beitragvon Helmut » 09 Aug 2016 11:16

Um doch noch mal "abzuschweifen":
mit den Figuren bei Mays ist es gar nicht so einfach; einerseits hat er die zwischen den Gattungen (Frühe und Kolportage - Abenteuererzählungen - Jugenderzählungen) auseinander gehalten. Ausnahmen sind da nur die Hauptfiguren Old Shatterhand und Winnetou (wobei die in den Schilderungen so eindeutig gleich auch nicht sind), Old Firehand (auch da gibts Diffrenzen), Sam Hawkens und seine Begleiter, Dick Hammerdull & Pitt Halbers,Turnerstick (der hat verschiedene Vornamen) und Krüger Bei.
Dann gibts auch noch anderes erstaunliches, da gibt es in "auf der See gefangen" Doubles von Firehand (Sam Firegun) und Dik Hammerdull, der gleich beschrieben wird, wie Sam Hawkens. Nachdem dieser Hammerdull über Surehand II in die Welt der Abenteuerromane wechselt, ist diese Ähnlichkeit verschwunden.
Und (wie ich z.B. letzthin (in Freiburg)) hörte, ist ja die "Einheit" von Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi auch nicht so klar, der erste ist blond, der zweite hat schwarze Haare und Bart.

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Re: Elspe 2016: "Im Tal des Todes"

Beitragvon Rüdiger » 09 Aug 2016 11:40

Helmut hat geschrieben:Kara Ben Nemsi [...] hat schwarze Haare und Bart.

Ist davon außer in der "Rose von Kairwan" irgendwo die Rede ? (Ich weiß es nicht ... Das Figurenlexikon erwähnt nichts entsprechendes.)

Und in der "Rose von Kairwan" wird lediglich von "dunklem Bart" geschrieben.

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Re: Elspe 2016: "Im Tal des Todes"

Beitragvon Helmut » 09 Aug 2016 13:13

Rüdiger hat geschrieben:
Helmut hat geschrieben:Kara Ben Nemsi [...] hat schwarze Haare und Bart.

Ist davon außer in der "Rose von Kairwan" irgendwo die Rede ? (Ich weiß es nicht ... Das Figurenlexikon erwähnt nichts entsprechendes.)

Und in der "Rose von Kairwan" wird lediglich von "dunklem Bart" geschrieben.


Indirekt im Orientzyklus, da färbt er sich, um von den Aladschis nicht erkannt zu werden, Haare und Bart blond. Wenn er blond wäre, wäre dies ja sinn- und nutzlos.
Und irgendwo steht, dass Halef ihn nach seiner Haarfarbe "Kara" (für türkisch schwarz) bezeichnet hat; das ist eine der beiden Erklärungen, die andere kommt von "Karl".

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Re: Elspe 2016: "Im Tal des Todes"

Beitragvon Rüdiger » 09 Aug 2016 14:09

Helmut hat geschrieben:Und irgendwo steht, dass Halef ihn nach seiner Haarfarbe "Kara" (für türkisch schwarz) bezeichnet hat; das ist eine der beiden Erklärungen, die andere kommt von "Karl".

Meines Wissens steht das mit dem Zusammenhang Kara = Schwarz eben nur in der "Rose von Kairwan", und dort ist eben nur von "dunklem Bart" die Rede. Von Halef kommt es nicht. Der ist nur für die klassische Bedeutung Kara = Karl zuständig. (Übrigens, kombiniere, haben wir offenbar beide heute im Figurenlexikon online nach "blond" und "schwarz" gesucht. Da bin ich nämlich auch auf die Färberei gestoßen ... ;-))

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Re: Elspe 2016: "Im Tal des Todes"

Beitragvon Helmut » 09 Aug 2016 15:51

Ich gestehe, dass das nicht "auf meinem Mist gewachsen" ist, höchstens, dass ich mich noch daran erinnere, was Brauneder auf dem Symposium in Freiburg referierte; allerdings hat er, wie ich gerade nachlas, nur über die verscheidenen "Bartfarben" berichtet.

(siehe : http://www.karl-may-franken.de/aktivitaeten/freiburg_02_2016.html

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Re: Elspe 2016: "Im Tal des Todes"

Beitragvon mugwort » 09 Aug 2016 17:27

Helmut hat geschrieben:Um doch noch mal "abzuschweifen":
mit den Figuren bei Mays ist es gar nicht so einfach; einerseits hat er die zwischen den Gattungen (Frühe und Kolportage - Abenteuererzählungen - Jugenderzählungen) auseinander gehalten. Ausnahmen sind da nur die Hauptfiguren Old Shatterhand und Winnetou (wobei die in den Schilderungen so eindeutig gleich auch nicht sind), Old Firehand (auch da gibts Diffrenzen), Sam Hawkens und seine Begleiter, Dick Hammerdull & Pitt Halbers,Turnerstick (der hat verschiedene Vornamen) und Krüger Bei.
Dann gibts auch noch anderes erstaunliches, da gibt es in "auf der See gefangen" Doubles von Firehand (Sam Firegun) und Dik Hammerdull, der gleich beschrieben wird, wie Sam Hawkens. Nachdem dieser Hammerdull über Surehand II in die Welt der Abenteuerromane wechselt, ist diese Ähnlichkeit verschwunden.
Und (wie ich z.B. letzthin (in Freiburg)) hörte, ist ja die "Einheit" von Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi auch nicht so klar, der erste ist blond, der zweite hat schwarze Haare und Bart.

Helmut


... wobei sich die Ähnlichkeit Dik Hammerdulls in "Auf der See...." mit Sam Hawkens doch sehr in Grenzen hält. Übereinstimmung: Beide sind klein und tragen einen geflickten Rock sowie ihres Skalpes verlustig gegangen. Aber: Der Hammerdull in "Auf der See..." ist zudem außerordentlich dick (das ist Sam Hawkens nie), ihm fehlen die Ohren und mehrere Finger, er hat in Droll'scher Manier die Ärmel durch Löcher gekürzt, auf dem Kopf sitzt ein "umgestülpter Bärenmagen" (zumindest etwas, das so aussieht) und er hat keinen Bartwuchs. Die Büchse heißt Mary (nicht Liddy!) und sein Reittier ist eine "Miriam". Mir scheint es so, als habe May im Eifer des Gefechts so ziemlich alle möglichen und denkbaren optischen Absonderlichkeiten in der Person des Dik Hammerdull versammelt - um sie dann in weiteren Werken (um nicht gar so zu übertreiben, jedoch auch auf nichts verzichten zu müssen) Stück für Stück auf verschiedene Protagonisten verteilt. So hat SansEar das Ohrproblem erhalten, die Tante Droll einen Teil der Klamotte, die Skalpgeschichte ist bei Hawkens geblieben, die Bartlosigkeit hat - glaube ich - Dik Hammerdull behalten, die Figur teilt er sich mit der Tante usw.

Der "umgestülpte Bärenmagen" ist übrigens wieder so ein Stück Mayscher Genialität in Sagen Suggestion (wie der "Paternosterlader") - kein Leser weiß, wie ein Bärenmagen, noch dazu ein umgestülpter, aussieht. Und trotzdem hat jeder die Mütze vor Augen. Man liest "umgestülpter Bärenmagen" und sofort ist alles klar.

Die "Einheit" des Ich-Erzählers, sprich Old Shatterhands und Kara Ben Nemsis sowie des namenlosen Ich-Erzählers steht für mich außer Frage - in meiner Wahrnehmung von Anfang an die Traum-Identität Mays. Nur wandelt sich der Traum im Laufe der Jahre und spontane Einfälle, wie z.B. zur Haar- und Bartfarbe, werden spontan verwirklicht und ebenso spontan wieder vergessen, wenn sie nicht mehr wichtig sind.

Im wahren Leben hatte May mittelbraune Haare, oder?

Viele Grüße
mugwort

Rüdiger
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Re: Elspe 2016: "Im Tal des Todes"

Beitragvon Rüdiger » 09 Aug 2016 22:35

mugwort hat geschrieben:Man liest "umgestülpter Bärenmagen" und sofort ist alles klar.

"Mein Gott jetzt hat sie's" (Gruß von Herrn Higgins.) ("gebe ich Dir nunmehr hiermit den Namen Eliza-Hirngard Elch-Humani", das ist zu schön (die Geschmäcker sind verschieden ...), um es nicht zu veröffentlichen ... (Jodelsmiley))

E-b-e-n. Und genau so ist das auch bei ganz vielen anderen Dingen, wie da waren z.B. der windmühlenflügelgeschleuderte Flug über Elberfeld und Barmen u.v.a. (Wir erinnern uns an Herrn Fritz R, der hat mich wahnsinnig gemacht mit seinen Fragen und theoretischen Untersuchungen über nicht lösungsbedürftige Angelegenheiten ...)

Im wahren Leben hatte May mittelbraune Haare, oder?

und deswegen ist die Blondfärberei für die Aladschy auch kein Indiz dafür, daß die von Kara Ben Nemsi schwarz wären ... kam mir heute morgen schon in den Sinn ...

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