Karl May in der Schule?

silbersee
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Karl May in der Schule?

Beitragvon silbersee » 22 Jan 2017 21:11

Im Thema
Nach Millionen-Erfolg im TV - Rettet der neue Winnetou auch das Karl-May-Museum in Radebeul
bringt User allwanderer folgende Idee auf:
Vielleicht würde es helfen, wenn man Karl May, seine Werke [...] häufiger in den Deutschunterricht einbeziehen [...]würde
- um Karl May präsenter zu machen, den Museen mehr Publikum zu bescheren etc.
Nun bin ich Deutschlehrer und nebenbei an der Uni im Bereich Literaturwissenschaft/-didaktik tätig.
Ich habe schon oft überlegt, wie und ob man Karl May schulisch behandeln kann und sollte. Meiner Meinung nur in der Unter- oder Mittelstufe, in der Oberstufe würde ich auf keinen Fall May machen - im Normalfall liest man in der Oberstufe 8 bis 10 vollständige Werke, man ist sowieso gezwungen, Wichtiges zu lassen, kann nur (zum Beispiel) Goethe oder Schiller, Fontane oder Mann lesen. Da finde ich persönlich Fontane, Keller oder Mann (um nur im "epochalen" Umfeld zu suchen) einfach wichtiger und lohnender (und auch literarisch besser).
Für die Mittelstufe finde ich die Romane sehr lang, habe aber in einem 7. Schuljahr mal den "Sohn des Bärenjägers" gemacht, das lief erstaunlich gut. Auszüge aus Romanen (zum Beispiel Halef im Taubenschlag oder der Wettlauf mit der Senfte) kann ich mir auch noch gut vorstellen.
Was denkt Ihr?
Gehört May in die Schule?
In welchen Jahrgängen?
Mit welchen Texten?

Rüdiger
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Re: Karl May in der Schule?

Beitragvon Rüdiger » 22 Jan 2017 21:27

silbersee hat geschrieben:Nun bin ich Deutschlehrer

Senfte


;-)

silbersee
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Re: Karl May in der Schule?

Beitragvon silbersee » 22 Jan 2017 21:45

Jessas, wie peinlich. Ich lasse es - zu meiner Schande - so stehen...

mugwort
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Re: Karl May in der Schule?

Beitragvon mugwort » 23 Jan 2017 06:57

silbersee hat geschrieben:Im Thema
Nach Millionen-Erfolg im TV - Rettet der neue Winnetou auch das Karl-May-Museum in Radebeul
bringt User allwanderer folgende Idee auf:
Vielleicht würde es helfen, wenn man Karl May, seine Werke [...] häufiger in den Deutschunterricht einbeziehen [...]würde
- um Karl May präsenter zu machen, den Museen mehr Publikum zu bescheren etc.
Nun bin ich Deutschlehrer und nebenbei an der Uni im Bereich Literaturwissenschaft/-didaktik tätig.
Ich habe schon oft überlegt, wie und ob man Karl May schulisch behandeln kann und sollte. Meiner Meinung nur in der Unter- oder Mittelstufe, in der Oberstufe würde ich auf keinen Fall May machen - im Normalfall liest man in der Oberstufe 8 bis 10 vollständige Werke, man ist sowieso gezwungen, Wichtiges zu lassen, kann nur (zum Beispiel) Goethe oder Schiller, Fontane oder Mann lesen. Da finde ich persönlich Fontane, Keller oder Mann (um nur im "epochalen" Umfeld zu suchen) einfach wichtiger und lohnender (und auch literarisch besser).
Für die Mittelstufe finde ich die Romane sehr lang, habe aber in einem 7. Schuljahr mal den "Sohn des Bärenjägers" gemacht, das lief erstaunlich gut. Auszüge aus Romanen (zum Beispiel Halef im Taubenschlag oder der Wettlauf mit der Senfte) kann ich mir auch noch gut vorstellen.
Was denkt Ihr?
Gehört May in die Schule?
In welchen Jahrgängen?
Mit welchen Texten?


Ohne Lehrer zu sein oder in sonst irgendeiner Form pädagogische Ahnung zu haben, könnte ich mir Karl May vorstellen:

- im Religionsunterricht
- im Geschichtsunterricht: Wenn es um die zweite Hälfte des vorletzten Jahrhunderts geht: Warum nicht einfach mal einen Zeitzeugen "sprechen" lassen?
- Deutschunterricht: Nicht im regulären Unterricht - aber bei Projektwochen, Lesenächten und was sonst noch so veranstaltet wird. Als Referatthema. Ggf. auch in höheren Klassen unter dem Aspekt "spezielles Phänomen"
- Im Kunstunterricht, dann aber eher Oberstufe (Romane, Illustrationen, Filme, Comics, Festspiele, all die Zusammenhänge, Rezeption...)
- Sozialkunde (oder wie auch immer das heute heißt): Phänomen "Medienstar"/ "Fans"; Strafrecht im 19. Jahrhundert; Phänomen "Shitstorm" und seine Folgen....
- Falls im Englischunterricht das Thema "Afroamerikaner" dran ist - Mays "Bob" wäre erwähnenswert.

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Re: Karl May in der Schule?

Beitragvon allwanderer » 23 Jan 2017 10:25

Ausser zum Thema Afroamerikaner "Bob" möchte ich mugworts Vorschlägen zustimmen. In den Fächern Philosophie / Religion könnte man z.B. Auszüge von Karl Mays Spätwerk bringen.
Mit Karl May Material könnte man schon in der Grundschule beginnen, z.B. lustige Szenen schon ab der 1. Klasse. Schliesslich sind ja schon die Jüngsten oft durch die KM-Spiele mit den KM-Figuren vertraut.-
Karl May-Werke sind von so unterschiedlicher Natur, dass für jedes Alter etwas dabei sein wird. Natürlich sind die Klassiker wichtig, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Schüler/innen oft bei diesem Stoff langweilen. Also wäre ein "Aussenseiter-Thema", auch wenn es vordergründig altmodisch erscheinen mag, vielleicht doch ganz spannend.
Man muss halt Mut haben, auch mal neue Wege zu gehen. Und Karl May ist und bleibt ja ein literarisches Phänomen.

Helmut
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Re: Karl May in der Schule?

Beitragvon Helmut » 23 Jan 2017 11:53

Ich weiß nicht so recht, ab man damit nicht das genaue Gegenteil erreicht.
Ich erinnere mich noch an meine Schulzeit, das ist zwar schon länger her, Bücher die im Unterricht drankamen, werden von den Schülern hinterher nie mehr gelesen; ich glaube, das war auch eines der Ergebnisse einer entspr. Podiumsdiskussion bei einem KMG-Kongress oder Symposium.

Helmut

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Re: Karl May in der Schule?

Beitragvon mugwort » 23 Jan 2017 13:47

Helmut hat geschrieben:Ich weiß nicht so recht, ab man damit nicht das genaue Gegenteil erreicht.
Ich erinnere mich noch an meine Schulzeit, das ist zwar schon länger her, Bücher die im Unterricht drankamen, werden von den Schülern hinterher nie mehr gelesen; ich glaube, das war auch eines der Ergebnisse einer entspr. Podiumsdiskussion bei einem KMG-Kongress oder Symposium.

Helmut


Da stimme ich Dir zu - ich würde in der Schule keinem Schüler einen Karl-May-Band als "Pflichtlektüre" aufbrummen. Aber man könnte - in passendem Kontext - in als Autor nennen, Auszüge lesen/ analysieren lassen. Neugierig machen.

Was mir noch eingefallen ist:
Bei passendem Wohnort: Karl May-Festspiele als Schulausflug. Könnte man mit einer interessanten Vorbereitung kombinieren...

giesbert
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Re: Karl May in der Schule?

Beitragvon giesbert » 23 Jan 2017 15:37

Helmut hat geschrieben:Ich erinnere mich noch an meine Schulzeit, das ist zwar schon länger her, Bücher die im Unterricht drankamen, werden von den Schülern hinterher nie mehr gelesen

Das kann aber auch einfach an den Bücher liegen, die man da lesen muss ;-).

markus
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Re: Karl May in der Schule?

Beitragvon markus » 23 Jan 2017 17:22

mugwort hat geschrieben:
Was mir noch eingefallen ist:
Bei passendem Wohnort: Karl May-Festspiele als Schulausflug. Könnte man mit einer interessanten Vorbereitung kombinieren...

Hatten wir damals anno 1982 in elspe, der Schatz im silbersee mit Pierre brice. Ich war begeistert, jedoch las ich erst 17 Jahre später mein erstes Karl May Buch.

mugwort
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Re: Karl May in der Schule?

Beitragvon mugwort » 23 Jan 2017 19:46

giesbert hat geschrieben:
Helmut hat geschrieben:Ich erinnere mich noch an meine Schulzeit, das ist zwar schon länger her, Bücher die im Unterricht drankamen, werden von den Schülern hinterher nie mehr gelesen

Das kann aber auch einfach an den Bücher liegen, die man da lesen muss ;-).


Möglich. Ich erinnere mich noch dunkel an Schillers "Kabale und Liebe". Mit 17 konnte ich damit GAR nichts anfangen. Böll war da schon besser...

Rüdiger
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Re: Karl May in der Schule?

Beitragvon Rüdiger » 23 Jan 2017 20:41

Mir ging's eher umgekehrt ...

silbersee
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Re: Karl May in der Schule?

Beitragvon silbersee » 23 Jan 2017 22:17

Es ist aber von vielen Variablen abhängig, ob ein Text bei Schülern funktioniert oder nicht. Aktuelle Bestseller erweisen sich im Unterricht gern als zäh, das was (wenn überhaupt gelesen wird) die Schüler von sich aus lesen, mögen sie nicht im Deutschunterricht (genauso "ihre" Musik im Musikunterricht).
Wichtig ist (zumindest für mich):
1. Die Lektüre muss zu Klasse / Kurs passen. Es macht je nach Kurszusammensetzung einen erheblichen Unterschied, ob man "Mutter Courage" oder "Leben des Galilei", "Buddenbrooks" oder "Untertan" liest - auch schon in den unteren Klassen.
2. Sie muss altersgemäß sein. "Doktor Faustus" ist in der Oberstufe schlicht zu schwer, "Pippi Langstrumpf" in Klasse 6 zu leicht.
3. Ganz egal, was man als Lehrer lesen lässt - man muss den Text selbst mögen / gut finden. Sonst hält man vier Wochen oder mehr nicht durch. Ich zumindest kann meinen Schülern nicht wochenlang einen (für mich) schlechten oder misslungenen (oder geschmacklosen) Text verkaufen. Und als Beispiel für schlechte Literatur ist mir dann die Zeit zu schade.
Dadurch werden sicher nicht alle zu Viellesern, aber die große Mehrheit der Klassen liest wenigstens den zu behandelnden Text komplett.
Einige eurer genannten Ideen finde ich toll (Massa Bob würde ich aber niemals thematisieren, ich hab da bewusst die Jugend-Fassung vom KMV genommen, die kürzt da sehr deutlich).
Ich führe dieses Jahr zum ersten mal in meinen Klassen 5 und 7 eine Art "Großprojekt" durch:
Ich habe Kinder- und Jugendbücher für 10-14jährige in unserem Raum im Regal stehen (ca. 130 Titel). Jede und jeder muss im Halbjahr eines dieser Bücher lesen (freie Wahl) und dazu ein Lesetagebuch verfassen, das heißt Figuren zeichnen, Steckbriefe erstellen, Kapitel zusammenfassen, Figuren einfügen, Geschichten weiterspinnen, Landkarten malen usw. usf. - es gibt einen Zettel mit Arbeitsvorschlägen, niemand muss zwingend eine bestimmte Aufgabe erledigen. Die Aufgabe läuft seit September, eine ganze Reihe hat schon drei oder vier Bücher entliehen. Die Lesetagebücher der ersten Runde werden nächste Woche eingesammelt, dann geht es in "Runde 2". Ich habe mehrere Mays (Winnetou I-III, Durch die Wüste-Schut, Silbersee, Ölprinz, Inka, Methusalem, Unter Geiern, Sklavenkarawane) jeweils doppelt stehen, einige davon sind auch für die Aufgabe entliehen. Ich bin sehr gespannt, was dabei herauskommt!

mugwort
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Re: Karl May in der Schule?

Beitragvon mugwort » 24 Jan 2017 06:39

silbersee hat geschrieben:... Ich habe mehrere Mays (Winnetou I-III, Durch die Wüste-Schut, Silbersee, Ölprinz, Inka, Methusalem, Unter Geiern, Sklavenkarawane) jeweils doppelt stehen, einige davon sind auch für die Aufgabe entliehen. Ich bin sehr gespannt, was dabei herauskommt!



Ich hoffe, Du berichtest uns!

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Re: Karl May in der Schule?

Beitragvon allwanderer » 24 Jan 2017 08:16

giesbert hat geschrieben:
Helmut hat geschrieben:Ich erinnere mich noch an meine Schulzeit, das ist zwar schon länger her, Bücher die im Unterricht drankamen, werden von den Schülern hinterher nie mehr gelesen

Das kann aber auch einfach an den Bücher liegen, die man da lesen muss ;-).


Oder auch an den Lehrern, wie ( begeisternd ) sie den Unterricht gestalten.

Der Ölprinz
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Re: Karl May in der Schule?

Beitragvon Der Ölprinz » 24 Feb 2017 22:24

mugwort hat geschrieben:
silbersee hat geschrieben:... Ich habe mehrere Mays (Winnetou I-III, Durch die Wüste-Schut, Silbersee, Ölprinz, Inka, Methusalem, Unter Geiern, Sklavenkarawane) jeweils doppelt stehen, einige davon sind auch für die Aufgabe entliehen. Ich bin sehr gespannt, was dabei herauskommt!


Ich hoffe, Du berichtest uns!


Hallo,

ja, würde mich auch interessieren!

silbersee: Gibt es unter deinen Schülern auch welche, die Karl May aus eigenem Antrieb lesen oder bereits gelesen haben (vor dem aktuellen Projekt)?

Viele Grüße

Der Ölprinz

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