"Am Jenseits" und "In Mekka"

Der Ölprinz
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"Am Jenseits" und "In Mekka"

Beitragvon Der Ölprinz » 12 Feb 2016 20:22

Hallo,
ich habe einige Fragen zu diesen beiden Büchern.

Wann wurden sie geschrieben?

Warum hat Karl May "Am Jenseits" nicht fortgesetzt?

Ist das Buch so abenteuerlich geschrieben wie der Orientzyklus beziehungsweise die ersten beiden Bände vom "silbernen Löwen"?

Gruß

Der Ölprinz

Rüdiger
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Re: "Am Jenseits" und "In Mekka"

Beitragvon Rüdiger » 12 Feb 2016 21:49

"Am Jenseits" erschien 1899, "In Mekka" 1923.

Mays Fortsetzung sollte "Im Jenseits" heißen, dazu kam es nicht. "Wird sofort erscheinen, wenn der erste Band verstanden worden ist" schrieb er einmal ... Es hat wohl auch schlicht und einfach damit zu tun daß die Bandnummer 26 schon vergeben war. Und er nach der Orientreise andere Projekte im Sinn hatte.

Eine 'Abenteuerhandlung' gibt es noch, sie tritt aber gegenüber langen reflektierenden Passagen eher in den Hintergrund.

Bei "In Mekka" ist das wieder anders ...

Der Ölprinz
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Re: "Am Jenseits" und "In Mekka"

Beitragvon Der Ölprinz » 13 Feb 2016 21:16

Hallo Rüdiger,

vielen Dank!

Gruß

Der Ölprinz

Hermesmeier

Re: "Am Jenseits" und "In Mekka"

Beitragvon Hermesmeier » 16 Feb 2016 10:31

Die Argumentation mit der bereits vergebenen Bandnummer 26 ist allerdings nicht sehr überzeugend.
- Einerseits war die Surehand-Trilogie nummernmäßig getrennt (14/15/19). Warum also sollte man sowas nicht noch einmal wiederholen?
- Andererseits war Silberlöwe I/II (26/27) vor Am Jenseits (25) erschienen. Ein mehrbändiger Jenseits hätte nummernmäßig durchaus nach hinten geschoben werden können, wenn man denn eine Nummernteilung dringend vermeiden wollte.
Ich halte "Im Jenseits" für eines der zahlreichen leeren Versprechen von Karl May. Er konnte oder wollte einfach nicht.

Helmut
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Re: "Am Jenseits" und "In Mekka"

Beitragvon Helmut » 16 Feb 2016 11:04

Auch alle seine anderen symbolischen und Spätwerke (mit Ausnahme des Silberlöwen, aber das ist eine "andere Geschichte"), also z.B. "Friede auf Erden", "Ardistan und Dschinnistan" und "Winnetou IV" sind ja allesamt ohne "Abschluß". Ich vermute, May hat bewußt das Ende offen gelassen.

Helmut

Hermesmeier

Re: "Am Jenseits" und "In Mekka"

Beitragvon Hermesmeier » 16 Feb 2016 11:26

Vielleicht hatte er auch einfach - zurecht - Manschetten davor, ins Jenseits zu gehen und es zu schildern. Wie hätte er da Blasphemie-Vorwürfen noch begegnen können? Hätten ihm nicht Vertreter aller Konfessionen Feuer gegeben?

Helmut
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Re: "Am Jenseits" und "In Mekka"

Beitragvon Helmut » 16 Feb 2016 17:10

Vielleicht war auch er oder die Zeit noch nicht "reif" dafür; erst im Silberlöwen III/IV und in A&D hat er sich dann in "solche Gefilde" vorgewagt.

giesbert
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Re: "Am Jenseits" und "In Mekka"

Beitragvon giesbert » 16 Feb 2016 17:19

Ich sehe da eher ein generelles Phänomen bei May: jedes Buch wurde mit frischer Hoffnung begonnen und beim Schreiben merkte er dann, dass das wieder nicht sein "eigentliches Werk" werden würde. Meist pappte er dann hastig irgendein Ende dran und fing mit dem nächsten an. Oder kündigte an, dass das bisherige ja nur "Übung" oder "Vorstufe" gewesen sei und im nächsten Teil würde man dann schon sehen, was für ein Dichter er eigentlich sei und überhaupt.

Bei A&D II spürt man förmlich, dass es dem Autor immer bewusster wird, Dschinnistan auch diesmal nicht erreichen zu können.

Selbst Löwe III & IV oder Ardistan & Dschinnistan wurden ja, nachdem sie dann erschienen waren, flugs zu Vorarbeiten umdeklariert. Und solche Aberwitzigkeiten wie die zehn Bände Nordamerika mit "Winnetou" und die zehn Bände Orient mit "Hadschi Halef Omar" als Helden angekündigt. Oder ein dreibändiges Werk "Mara Durimeh". Etc.

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Re: "Am Jenseits" und "In Mekka"

Beitragvon Rene Grießbach » 16 Feb 2016 18:46

giesbert hat geschrieben:Bei A&D II spürt man förmlich, dass es dem Autor immer bewusster wird, Dschinnistan auch diesmal nicht erreichen zu können.


Das Gegenteil hat selbst Karl May nie behauptet. Am Ende des Romans stehen die Worte

Wir aber wendeten unsern weitern Aufstieg nun den Bergen, über deren Pässe der Weg nach Dschinnistan führte, und unsrem hohen, weiteren Ziele zu. - - -


Er konnte Dschinnistan (noch) nicht erreichen und sagte das ganz klar.

giesbert hat geschrieben:Und solche Aberwitzigkeiten wie die zehn Bände Nordamerika mit "Winnetou" und die zehn Bände Orient mit "Hadschi Halef Omar" als Helden angekündigt. Oder ein dreibändiges Werk "Mara Durimeh". Etc.


Jede/r von uns hat doch wohl Pläne, Wünsche, Hoffnungen, Träume und etliches davon wird sich im persönlichen Leben nicht erfüllen bzw. erfüllen lassen. Ist es da wirklich angebracht, einem Menschen wie Karl May seine Pläne, Wünsche, Hoffnungen, Träume, die er (sich) nicht (mehr) erfüllen konnte, nachträglich abzuerkennen und als "Aberwitzigkeiten" zu deklarieren?
Zuletzt geändert von Rene Grießbach am 16 Feb 2016 19:09, insgesamt 2-mal geändert.

Der Ölprinz
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Re: "Am Jenseits" und "In Mekka"

Beitragvon Der Ölprinz » 16 Feb 2016 20:12

giesbert hat geschrieben:Ich sehe da eher ein generelles Phänomen bei May: jedes Buch wurde mit frischer Hoffnung begonnen und beim Schreiben merkte er dann, dass das wieder nicht sein "eigentliches Werk" werden würde. Meist pappte er dann hastig irgendein Ende dran und fing mit dem nächsten an.


Hallo,

das sehe ich nicht so.
Ich befasse mich in erster Linie mit deutscher und europäischer Geschichte. Neben ungezählten Fachbüchern habe ich zum Vergnügen schon hunderte von Romanen aller Art gelesen.
Ich kann mich sicherlich nicht mit den Experten hier vergleichen, die jedes Buch von Karl May x-mal gelesen haben.
Allerdings habe ich etwa die Häfte seiner Bücher gelesen und sehr genossen! An ein hastig angepapptes Ende kann ich mich eigentlich bei keinem Buch von Karl May erinnern...

Gruß

Der Ölprinz
Zuletzt geändert von Der Ölprinz am 17 Feb 2016 21:22, insgesamt 1-mal geändert.

Helmut
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Re: "Am Jenseits" und "In Mekka"

Beitragvon Helmut » 17 Feb 2016 12:52

Da fällt mir doch der Spruch von Arno Schmidt die Kolportageromane Mays betreffend ein, der ungefähr so lautete:
Am Ende werden die Überlebenden gnadenlos paarweise zum Traualtar getrieben.


Helmut

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