Der Fremde aus Indien etc., empfehlenswert?

giesbert
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Re: Der Fremde aus Indien etc., empfehlenswert?

Beitragvon giesbert » 14 Jan 2016 13:21

Rüdiger hat geschrieben:Bei den "Deutschen Herzen" ist es tatsächlich so, daß einem die Bearbeitung besser gefallen kann als das Original ... auch wenn wir jetzt mit einigermaßen heftigem Einspruch seitens Helmut Moritz rechnen müssen.

;-)

DHDH gehört zu den Romanen, die ich mittendrin abgebrochen habe. Aber als Kind gehörte "Allah il Allah!" (also die massive Bearbeitung eines Teilstücks) zu meinen absoluten Lieblingen. Wie ich das heute sehen würde, weiß ich nicht - dazu müsste ich das nochmal lesen.

Rüdiger
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Re: Der Fremde aus Indien etc., empfehlenswert?

Beitragvon Rüdiger » 14 Jan 2016 13:33

giesbert hat geschrieben:Ein Happy End für Auguste Beyer? Das ist aber mal ein ziemlich heftiger Eingriff.

Darauf gleich noch einen, auch aus dem 76er-Band; auch ich zitier' mich mal selber ;-)

Rüdiger hat geschrieben:Im Original gibt es eine Stelle, wo ein Erbe (der Paukenschläger Hauck) am Sterbelager in Erwartung anstehenden Reichtums geradezu außer sich gerät:

„Es flimmerte ihm um die Augen, es summte ihm um die Ohren. Reich, reich, reich! Er mußte fort, hinaus, mußte frische Luft atmen. Er ging und strich wohl einige Stunden lang im Walde umher.“

An der entsprechenden Stelle ist in diesem Band 76 „Reich, reich, reich !“ gestrichen, und schon bezieht sich die Erschütterung des guten Mannes nur auf das Ableben des anderen. Das ist brav, aber nicht das, worum es Karl May ging, der die Abgründe menschlichen Wesens durchaus kannte und schilderte.

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Re: Der Fremde aus Indien etc., empfehlenswert?

Beitragvon Rüdiger » 14 Jan 2016 13:38

giesbert hat geschrieben:DHDH gehört zu den Romanen, die ich mittendrin abgebrochen habe. Aber als Kind gehörte "Allah il Allah!" (also die massive Bearbeitung eines Teilstücks) zu meinen absoluten Lieblingen. Wie ich das heute sehen würde, weiß ich nicht - dazu müsste ich das nochmal lesen.

"Allah il Allah" ist sozusagen meine Lieblingsbearbeitung. Das ist ja ein ganz anderes Buch als die Vorlage, aber reizvoll. (Übrigens hat Steinbach im Original in "Die Königin der Wüste" keinen Diener, wenn ich mich recht entsinne. Man hat Hadschi Halef Omar einfach dazugebastelt. In Karl May & Co habe ich kürzlich gelesen, statt Steinbachs Diener. Das ist aber, glaube ich, falsch.)

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Re: Der Fremde aus Indien etc., empfehlenswert?

Beitragvon giesbert » 14 Jan 2016 13:59

Rüdiger hat geschrieben:(Übrigens hat Steinbach im Original in "Die Königin der Wüste" keinen Diener, wenn ich mich recht entsinne. Man hat Hadschi Halef Omar einfach dazugebastelt. In Karl May & Co habe ich kürzlich gelesen, statt Steinbachs Diener. Das ist aber, glaube ich, falsch.)

So weit bin ich nicht gekommen, aber ich hab gerade mal auf der DVD gesucht: Zu Beginn von "Die Königin der Wüste" hat Steinbach einen Diener. Ob er den behält, weiß ich nicht.

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Re: Der Fremde aus Indien etc., empfehlenswert?

Beitragvon Rüdiger » 14 Jan 2016 16:58

E.A.S. (den Namen ausführlich aufzuschreiben verbietet, da es gleich Fünf ist, die Zeit :-)) schrieb seinerzeit "Folglich mussten wir dem Helden auch den unvermeidlichen Hadschi Halef Omar hinzufügen, was nicht leicht war."

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Re: Der Fremde aus Indien etc., empfehlenswert?

Beitragvon Helmut » 14 Jan 2016 17:09

Das "Urteil" des Helmut Moritz zu den "Deutschen Herzen - Deutschen Helden" ist eher, so wie öfters durchaus differenzierter:

- Stambul Teil : ein rechter Schmarrn
- Nordafrika Teil : gut (fast sehr gut)
- Amerika Teil : schwach (das Thema hat er (May) in "Satan und Ischariot" besser "behandelt"
- Sibirien Teil : einfach großartig (richtig nervend hier nur der "große Held Steinbach", der mit 3 (glaube ich) Kutschen Gepäck eintrifft, und all das fast wieder einreisst, was Sam Barth so gut hingebracht hat; ähnlich ist dies schon im Amerika-Teil).

Wenn ich, natürlich ganz allein für mich eine "Güte-Reihung" der May'schen Kolportage vornehmen müsst, sähe die so aus:

"Der verlorne Sohn", "Deutsche Herzen - Deutsche Helden", "Das Waldröschen", "Der Weg zum Glück" und "Die Liebe des Ulanen".
(aber teilweise kann man das auch schon da lesen, was ich seinerzeit schrieb :

Ich will zum Ende dieser "Tour", die mich (genauer) durch die frühen und die Lieferungsromane Mays führte ein (sehr) kurzes Resümee schreiben.


1. Fürst und Junker (20.03.-23.05.07):
Axmann ist Axmann und nicht Karl May, also vergessen wir dieses Werk ganz einfach (wenn man es denn nicht als Vorläufer zu dem nächsten braucht/bräuchte).


2. Der beiden Quitzows letzte Fahrten (24.05.-04.11.07):
gilt im allgemeinen Urteil nichts, aber ich fand und finde es immer noch interessant, was May im Vergleich zu z.B. Axmann zu leisten imstande war. Nicht zu übersehen und überlesen ist eben doch auch, dass hier eben vielerlei Ansätze zur späteren "Schreibkunst" Mays enthalten sind.


3. Auf hoher See gefangen (21.11.07-08.01.08):
Ein erster (vielleicht wirklicher?) Höhepunkt, allerdings auch hier noch mit Schattenseiten.


4. Scepter und Hammer (15.01.-24.02.08):
Für mich wirklich der erste Höhepunkt, "gewürzt" mit biographischen Spuren.


5. Die Juweleninsel (08.03.-22.03.08):
Begonnen als gute Fortsetzung von 4., die ihm dann allerdings immer mehr aus den Fingern (und der Feder) gleitet.


6. Das Waldröschen (22.03.-18.05.08):
Zweiter Höhepunkt der Tour; allerdings leidet der Roman (meiner Meinung nach) an zu vielem "Personal" und der dadurch bedingten Unübersichtlichkeit. Über die historischen Bezüge sage ich jetzt mal nichts.


7. Die Liebe des Ulanen (18.05.-02.07.08):
Da habe ich schon so oft darüber geschrieben, was mich da stört, dass ich mir (und denen, die vielleicht doch zufällig, das hier lesen sollten) das jetzt erspare. Ansonsten habe ich es doch mit Vergnügen gelesen.


8. Der verlorene Sohn (05.07.-27.07.08):
war diesmal ein "Umweg" über die (KMV-)Bearbeitungen, und hat deutlich gezeigt, dass man dies eben nicht ungestraft tun sollte (und kann).


9. Deutsche Herzen Deutsche Helden (29.07.-20.10.08):
Die Türkei/Afrika- und Sibirien-Teile sind einfach großartig; der Amerika-Teil fällt etwas ab. Es fehlt (wie viele meinen) das "große Ganze", mich hat das nicht so fürchterlich gestört.


10. Der Weg zum Glück (20.10.08-07.01.09):
Viel Lesevergnügen, gegen Ende für mich (aus diesem und jenem Grund) allerdings etwas nachlassend.


Helmut

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Re: Der Fremde aus Indien etc., empfehlenswert?

Beitragvon Rüdiger » 14 Jan 2016 17:23

Helmut hat geschrieben:so wie öfters durchaus differenzierter:

- Stambul Teil : ein rechter Schmarrn

Die Türkei/Afrika- und Sibirien-Teile sind einfach großartig


q.e.d.

:-)

(Aber so ist es bei Karl May wie im Leben tatsächlich manchmal, Schmarrn & großartig gleichzeitig ...)

Ich finde den Sibirien-Teil mit Abstand am schwächsten. Aber das habe ich dem Helmut ja schon ca. dreiundzwanzigmal geschrieben. Wir müßten jetzt nur noch auf den Anhang vom Schut kommen. Wie war das nochmal ?

:-)

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Re: Der Fremde aus Indien etc., empfehlenswert?

Beitragvon Helmut » 14 Jan 2016 17:48

... wenn alle immer nur gleicher Meinung wären, wäre das Leben doch langweilig.

... doch sehe ich mich zu meiner Freude gezwungen, einen Anhang folgen zu lassen.


schrieb Karl May; und genau so zwiespältig kann man (ich) das auch sehen.

;-)

Helmut

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Re: Der Fremde aus Indien etc., empfehlenswert?

Beitragvon Helmut » 14 Jan 2016 17:55

Rüdiger hat geschrieben:
Helmut hat geschrieben:so wie öfters durchaus differenzierter:

- Stambul Teil : ein rechter Schmarrn

Die Türkei/Afrika- und Sibirien-Teile sind einfach großartig


q.e.d.

:-)


:-)


Zwischen den beiden Urteilen von mir liegen mind. 10 Jahre, also zeigt das nur, dass ich, trotz meines höheren Alters, durchaus immer noch lernfähig bin. ;-)
(Das zugehörige Zitat Adenauers lautete übrigens (richtig)
Meine Herren, Sie wollen mir doch nicht verbieten klücher zu werden.

(Bemerkung 1 : "Frauen kamen damals in der "hohen" Politik (noch) nicht vor
Bemerkung 2 : "Klücher" soll rheinischen Dialekt für "klüger" nachahmen)

Helmut

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Re: Der Fremde aus Indien etc., empfehlenswert?

Beitragvon Der Ölprinz » 15 Jan 2016 12:47

Hallo,

so, "Der Fremde aus Indien" ist bestellt.
Ich werde dann in Kürze hier nochmal über das Lesevergnügen berichten.

Gruß

Der Ölprinz

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Re: Der Fremde aus Indien etc., empfehlenswert?

Beitragvon Der Ölprinz » 24 Jan 2016 16:25

Hallo,

ich habe das Buch mittlerweile fast ganz durchgelesen.

Fazit: Sehr gut! Fast genau so gut wie "Das Buschgespenst".

Das Buch hat meine Erwartungen übertroffen und hat mir wirklich sehr gut gefallen!
Während ich die Reiseerzählungen und die Jugendromane so original wie möglich mag, scheine ich bei den Kolportageromanen mit den Bearbeitungen aus dem Karl May Verlag besser beraten zu sein. Ist natürlich Geschmackssache.
Da ich den "Verlorenen Sohn" im original noch nicht gelesen habe, konnte ich mich natürlich besser auf die Geschichte einlassen (frei von Überlegungen wie: was haben sie hier verändert, was ist da anders).

Also, meiner Meinung nach kann man sagen; wer "Das Buschgespenst" mag, kann sich auch gerne "Der Fremde aus Indien" zulegen.

Viele Grüße

Der Ölprinz

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Re: Der Fremde aus Indien etc., empfehlenswert?

Beitragvon Rüdiger » 26 Jan 2016 14:39

Hans Zesewitz sah es 1939 ganz ähnlich:

Der Band 65 gefällt mir nach dem ersten Eindruck ausgezeichnet! Ich bedauere sehr, daß ich den "Verlorenen Sohn" nicht kenne. [...] Ich bin bis Seite 120 vorgedrungen und schreibe Ihnen ausführlicher darüber, wenn ich fertig bin. Aber er gefällt mir

("Karl May in Hohenstein-Ernstthal 1921-1942", S. 119/20)

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Re: Der Fremde aus Indien etc., empfehlenswert?

Beitragvon Der Ölprinz » 26 Jan 2016 20:32

Hallo,

naja, schauen wir mal.

Ich habe heute beim örtlichen Buchhändler Band 74 "Der verlorene Sohn" erstanden.
Ich hoffe er gefällt mir so gut wie die beiden Vorgänger.
Ich bin schon gespannt.

Gruß

Der Ölprinz

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Re: Der Fremde aus Indien etc., empfehlenswert?

Beitragvon Der Ölprinz » 01 Feb 2016 21:55

Hallo,

so, mit Band 74 bin ich auch fertig. Hat mir wiederum sehr gut gefallen!
Fällt zu den beiden vorhergehenden Bänden ein wenig ab, aber ich habe das Buch dennoch sehr gerne gelesen.
Demnächst kommen dann auch noch Band 75 und 76 dran.
Dauert aber noch etwas, bin im Moment "Im Reiche des silbernen Löwen". ;)

Gruß

Der Ölprinz

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Re: Der Fremde aus Indien etc., empfehlenswert?

Beitragvon Rüdiger » 03 Feb 2016 17:17

Den "Fremden aus Indien" habe ich mir, angeregt durch diesen Thread, auch wieder vorgenommen. Liest sich ganz flüssig und kann man sozusagen als eigenständige Alternative zum Original gelten lassen. Allein schon weil die Beschäftigung mit Karl May und den diversen Buchausgaben ein schönes Hobby ist ... (vor allem eins das man allein ausüben kann ...) (und das zeitlos ist ...)

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